Ich bin nicht besonders Chirurgie interessiert und habe deswegen dieses Fach gewählt, um es in Spanien zu machen. Das war auch die absolut richtige Entscheidung, weil ich insgesamt eine sehr, sehr gute Zeit hatte aber wenig praktisch machen konnte. Ich fand es perfekt aber wer wirklich hands on chirurgie machen will ist hier falsch.
Tagesablauf: Start um 8:00 mit einer Besprechung. Danach entweder OP oder Visite, davor wurde meist noch gefrühstückt in der Cafeteria. Im OP hat man in aller Regel nur zugeschaut. Bei ein paar Cholezystektomien stand ich mal mit am Tisch aber auch nicht, weil ich gebraucht wurde, sondern weil ich es machen wollte. Dass sie wirklich einen Studenten brauchten im OP ist nur ein einziges Mal vorgekommen während meiner 8 Wochen :D
Auf Station bin ich bei Visite hinterhergelaufen und habe zugehört. Fragen wurden immer sehr nett und ausführlich beantwortet. Danach wird dokumentiert, da bin ich dann in den OP oder nach Hause gegangen, weil meine Sprachkenntnisse da bei weitem nicht für ausreichen und das auch überhaupt keiner erwartet. Generell hat man einen totalen Famulanten Status, da es sowas wie PJ in Spanien auch nicht gibt. Blutentnahmen und Zugänge macht die Pflege. Ich war einmal auch beim Studi Unterricht aber da der nur auf catalán ist, war es etwas pointless.
Ich bin meistens so gegen 12 nach Hause gegangen und hab von Anfang an gesagt, dass wir in Deutschland freitags immer Studientag haben und das auch dann so durchgezogen. Alle sind super nett und da man auch nicht gebraucht wird ist es denen im Grunde auch egal ob man fehlt. Man hätte wenn man es darauf angelegt hätte bestimmt auch mehr einbezogen werden können, zumindest auf Station. Im OP war am Tisch echt selten die Möglichkeit, selbst wenn man gewollt hätte.
Ich war erst 2-3 Wochen in der Chirurgie des oberen GI Trakts, dann bei der Leberchirurgie. Leberchirurgie war dann vom Team noch netter und deswegen bin ich dann dort geblieben.
Sprache:
Ich hatte circa B1 Spanisch Niveau und null Vorkenntnisse in catalán. Ich dachte da würde man sich dann etwas einhören aber das war absolut nicht der Fall. (Ich kann auch kein französisch oder italienisch, das hätte wahrscheinlich geholfen) Habe bis zum Ende kaum was verstanden, wenn catalán gesprochen wurde :D Das heißt alle Übergaben/Besprechungen waren für mich kaum zu verstehen. Wenn mir etwas auf Spanisch erklärt wurde, weil ich gefragt hatte habe ich das dann aber in der Regel ganz okay verstanden. Bis auf so 2-3 Ärzte die so einen starken Akzent hatten, dass ich immer nur lächeln und nicken konnte. Die Assistenten und anderen Studis waren sehr nett und haben oft für mich übersetzt.
Ein Oberarzt hat mal so ein bisschen doof rumgemosert was ich da mache wenn ich gar kein catalán kann und im OP hatte ich auch mal eine etwas unangenehme Situation. Habe dann angefangen mich von vornherein als Ersamus Studentin vorzustellen damit alle im OP etc wissen, dass ich nichts verstehe wenn man mich auf catalán anspricht und mich nicht für eine spanische Studentin halten. Abgesehen von diesem Oberarzt waren alle super nett und fanden es nicht schlimm, dass ich nur Spanisch sprach, sondern fanden es total cool, dass ich als Deutsche nach Girona komme :)
Orga:
Es gibt einen für die Lehre zuständigen Arzt (Dr. Jordi Gironès), der auch Bescheid wusste, dass ich komme. So hatte man immer das Gefühl im Zweifel hat man einen Ansprechpartner. Die Personalabteilung war sehr nett und hat mir auch ein paarmal sehr geholfen zB als ich den albernen Stempel fürs LPA brauchte (in Spanien stempelt man anscheinend alles elektronisch, keiner hat verstanden warum ich unbedingt so einen blöden Stempel mit Adresse der Klinik brauche… Sie haben mir dann einen Aufkleber mit der Adresse gedruckt + den Stempel vom Krankenhaus. Das ging so durch bei meinem LPA). Es gibt eine Karte mit der man in der Cafeteria bezahlen und sich Wäsche ausleihen kann, meine hat nie richtig funktioniert aber ich kam auch so gut durch. Man trägt seine eigenen Klamotten plus einen Kittel drüber.
Stadt:
ich fand Girona wahnsinnig toll, mittelalterliche tolle Altstadt, tolle Umgebung. Ich kann es nur empfehlen. Im September/Oktober waren auch nciht übermäßig viele Touris da aber isngesamt ist es schon touristisch natürlich. Mein WG Zimmer hatte ich über eine Facebook gruppe gefunden. Es gibt auch eine große Radfahrerszene und viele internationals in der Stadt. Da gibt es auch diverse Facebook gruppen über die die sich organisieren.
Sprachschulen gibt es auch, ich habe es nicht geschafft (auch etwas schnell aufgegeben vielleicht) etwas zu finden wo man für 2 Monate zu einer Gruppe dazu stoßen kann. Ich habe dann viel einfach für mich Spanische Bücher gelesen und mit meiner Mitbewohnerin/ in der Klinik gesprochen und konnte so mein Spanisch deutlich verbessern was total viel Spaß gemacht hat.