PJ-Tertial-Bericht am Sultan Qaboos University Hospital

Allgemeinchirurgie

Muscat, Oman · 8 Wochen · Station Allgemeinchirurgie · 11/2019 – 01/2020

Veröffentlicht am

1.00
Ø Gesamtnote
aus 9 Kategorien

Einzelbewertungen

Gesamt 1
Team Station 1
Kontakt zur Pflege 1
Ansehen des PJlers 1
Klinik insgesamt 1
Unterricht 1
Betreuung 1
Freizeit 1
Station / Einrichtung 1

Details zum Einsatz

Weitere Tätigkeiten
0

Erfahrungsbericht

Lehre: Englisch-Kenntinisse reichen aus Unterkunft: Ein Zimmer im Studentenwohnheim wird gegen eine Gebühr gestellt. Das Wohnheim ist ein mehrstöckiges Haus mit 4 Wohnungen pro Etage, etwa 2 km vom Krankenhausgelände entfernt. Dieses Wohnheim ist für Studenten/Gäste aus dem Ausland hergerichtet, es leben also keine Einheimischen Studenten in diesen Wohngemeinschaften. Ich hatte mein eigenes Zimmer mit einem Schreibtisch, Bett, Schrank und einen kleinen Kühlschrank im Zimmer. Einige Zimmer haben auch ein eigenes Bad und WC im Zimmer. Sonst werden Küche und Bad gemeinschaftlich pro WG genutzt. WLAN ist vorhanden. Oben im Haus gibt es noch zwei weitere Räume mit Fernseher, die gemeinschaftlich von allen Bewohnern benutzt werden können. Ein kostenloser Transport morgens zum Krankenhaus und nachmittags/ abends vom Krankenhaus zum Wohnheim findet statt. Klinik: Die Sultan Qaboos University ist eine große Campusuni mit, meiner Meinung nach, einer wunderschönen Architektur. Auch das Universitätsklinikum befindet sich auf dem Campus. Das Krankenhaus ist komplett klimatisiert, vor allem im Sommer, wenn die Temperaturen bis auf 50°C steigen, kann das von Vorteil sein. Allerdings muss man sich dann auch erst an den Temperaturenwechsel gewöhnen. Das Sultan Qaboos University Hospital ist ein öffentliches, modernes Krankenhaus. Die Krankenversicherung für Omanis ist kostenlos. Die Stationen sind nach Geschlechtern getrennt. Die Allgemeinchirurgie ist in fünf Teams eingeteilt (1: Breast, Endocrine Surgery; 2: Hepato-Biliary-Surgery, 3: Trauma, Oncology Surgery; 4: General Surgery; 5: Vascular Surgery). Ich bin durchgehend mit dem Team 3 mit gelaufen. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Teams war prinzipiell möglich, ich würde es rückblickend auch empfehlen. Gute Lehre und Integration für Studenten habe ich definitiv auch über Team 2 und 5 gehört, zu den Teams 1 und 4 kann ich mich leider nicht äußern. Auch eine Rotation in der Kinderchirurgie soll sehr lehrreich und gut verlaufen, allerdings ist die Kinderchirurgie am SQUH eine eigene Fachrichtung, somit ist es gut möglich, dass eine Bewerbung direkt über die KICH laufen müsste. Der Tag fängt gegen 8 Uhr mit einer gemeinsamen Frühbesprechung in der Chirurgie an. In dieser werden die Aufnahmen aus der Nacht besprochen werden. Das dauert immer etwas, da das Teaching schon hier beginnt. Röntgenbilder, CTs oder ähnliches werden zunächst von Senior Students (aus den klinischen Semestern) ausgewertet und parallel findet Teaching zu den vorgestellten Fällen statt. Nach der Frühbesprechung geht es im Team mit der Visite weiter. In der Visite werden die Patienten von Studenten oder Interns (vergleichbar zu PJler) vorgestellt. Man ist auch immer willkommen eigene Patienten zu betreuen und vorzustellen. Es werden Diagnose, Therapie und weitere Aspekte zum Fall besprochen. Jedes Team hat feste Tage im OP und in der Poliklinik. Einen Tag in der Woche muss abwechselnd ein Team die Beschneidungen auf der Geburtshilfestation durchführen. Dem Team 3 steht Dienstags und Donnerstags ein OP-Saal zu Verfügung, Mittwochs finden kleinere Eingriffe im Minor-OT statt. An den großen OP-Tagen trifft man sich bereits um 7.30 Uhr zur Visite. Es wird insgesamt sehr viel Wert auf Lehre gelegt. Fragen werden immer beantwortet. Es findet regelmäßig Unterricht für die Senior-Students, die in der Klinik rotieren, statt. An diesen kann und soll man auch teilnehmen. Vor allem den Unterricht vom Chef des Trauma Surgery Teams fand ich persönlich sehr lehrreich, egal ob in kleinen Gruppen oder eins zu eins am aktuellen Fallbeispiel. In meinem Fall und in meinem Team war es tatsächlich so, dass mein Elective mehr aus Observation bestand als aus Doing. Es sind im Semester teilweise sehr viele einheimische Studenten auch auf Stationen und in den OPs unterwegs, sodass man seltener dazu kommt sich im OP ein zu waschen. Generell haben die Residents beim Assistieren Vorrang. Zuschauen kann man aber immer und überall, wie man sich den Klinikalltag einteilt ist einem oft selbst überlassen. Auch das Zuschauen an Eingriffen der anderen Teams ist möglich. Sonst kann man immer mit in die Poliklinik (OPD). Das kann je nach anwesendem Arzt auch sehr lehrreich sein. Oder man schreibt Discharge Summeries und Notes (Verläufe) zu den Patienten. Der Tag endet im Team 3 mit einem Exit Round, wobei nochmal die aktuellen Fälle abschließend besprochen werden. Einige Infos zur Klinik: Wochenende im Oman ist am Freitag und Samstag, sodass man Sonntag bis Donnerstag regulär arbeitet. Es werden zwar auch Scrubs getragen, aber oft zieht man sich schick an und trägt einen Kittel darüber. Wenn man Scrubs tragen möchte, muss man diese selbst mitbringen, das Krankenhaus stellt, bis auf OP-Kleidung, keine Krankenhauskleidung. Auch Foreign Elective Students bekommen Essensmarken, sodass man jeden Tag Frühstück, Mittag- und Abendessen in der Klinik bekommen und mitnehmen kann. Alltag und Freizeit: Oman ist ein sehr sicheres und unglaublich gastfreundliches Land. Ich würde persönlich sagen, definitiv das gastfreundlichste Land, welches ich bisher kennenlernen durfte. Die Omanis sind auch sehr hilfsbereit und man ist immer willkommen und eingeladen, unabhängig davon wie lange man sich schon kennt. So kam es auch mal vor, dass ich mit Familien am Grilltisch saß, die ich sie erst einige Minuten zuvor kennengelernt hatte. Da das öffentliche Transportsystem in Oman zu der Zeit meines Electives immer noch nicht so gut ausgebaut war, habe ich mich relativ früh dazu entschieden ein Auto zu mieten (z.B. International Car Rental im Jasmine Complex, fragt sonst einfach den PJ-Beauftragten im Krankenhaus für Insidertipps). Ohne ein Auto (oder ohne gefahren zu werden) ist man in dem Land tatsächlich sehr eingeschränkt. Das Straßennetz ist gut ausgebaut und der Sprit ist relativ günstig. Ich habe an den Wochenenden viele benachbarte Orte besucht und so das Land kennengelernt. Es gibt in Oman sehr viel zu sehen und die Natur bietet einem auch sehr viel an. Von Campen über Wandern bis hin zum Tauchen und darüber hinaus ist alles dabei. Es ist auch überhaupt kein Problem das Land alleine als Frau zu bereisen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt ein unangenehmes Gefühl oder habe mich belästigt gefühlt. Das Leben in Oman geht bis spät in die Nacht. Auch wenn es schon dunkel ist kann man beispielsweise noch sehr viele Menschen am Strand spazieren oder sitzen sehen. Allein Muscat bietet viele verschiedene Strände an, die mit einem Auto relativ gut erreichbar sind und sich für einen Spaziergang immer sehr gut eignen. Insgesamt hat Muscat einen hohen Freizeitwert. Vor allem mit den geknüpften Kontakten kann dieser exponentiell steigen ;) Es gibt vieles, was anders läuft als man es in Deutschland gewohnt ist, aber gerade das macht das Land und die Kultur nochmal interessanter und ist eine Erfahrung wert. Fazit: Alles in einem kann ich sagen, dass ich sehr gute Erfahrungen im Oman sammeln konnte. Ich habe zu keinem Zeitpunkt die Entscheidung bereut, mich für Oman entschieden zu haben. Ich habe ein etwas anders funktionierendes Gesundheitssystem kennengelernt und habe erneut festgestellt, wie gut auch andere Systeme funktionieren können und die Medizin eigentlich genauso gut ist wie wir es hier in Deutschland kennen. Wer allerdings möglichst zu 100% in den Arbeitsalltag integriert werden möchte und durchgehend praktisch tätig sein möchte, sollte es sich nochmal überlegen. Wem viel theoretische Lehre und weniger eigenständiges Arbeiten für 8 oder sogar 16 Wochen reichen, ist hier sehr gut aufgehoben. Ich muss aber auch sagen, dass das selbstständig praktische Arbeiten zum einen stark vom Team und den gerade in der Fachabteilung rotierenden Ärzten zusammenhängt und zum anderen von der eigenen klinischen Erfahrung, die man bis zu dem Zeitpunkt gesammelt hat. Wer außerdem noch Arabisch spricht und versteht ist klar im Vorteil. (Kleiner Tipp: Wer gleich das volle Packet mitnehmen möchte kann sich z.B. für die innere Medizin am Royal Hospital bewerben, ich habe mir von ausnahmslos allen Interns erzählen lassen, wie viel mehr sie dort leisten müssen aber auch wie viel mehr sie dadurch dort lernen. Allerdings könnte es sein, dass dort Englischkenntnisse nicht mehr ausreichen.) Und auch an sich ist Oman als Land definitiv einen Besuch wert. Man kann sehr viel entdecken, sehen, lernen und eine unheimlich herzliche Gastfreundschaft genießen. Mir ist persönlich der Abschied aus dem Oman sehr schwer gefallen und ich weiß jetzt schon, dass ich Oman bei Gelegenheit wieder besuchen werde. Allgemein kann ich das Absolvieren des Praktischen Jahres im Ausland jeden ans Herz legen. Dabei geht es meines Erachtens nicht immer nur um die medizinische Theorie, sondern auch darum zu sehen, wie andere Länder- besonders nicht europäische Länder und Systeme wie wir sie kennen- ihre medizinische Ausbildung gestalten und mit Herausforderungen umgehen

Bewerbung

Beworben habe ich mich direkt an der Universitätsklinik. Auf der Seite des SQUH gibt es einen Abschnitt für ‚Foreign Elective Students‘, dort ist das Bewerbungsblatt und die notwendigen Informationen für die Bewerbung zu finden. Ich hatte meine Anfrage für mein Elective zunächst an medelective@squ.edu.om geschickt, mir wurde direkt weitergeholfen und ich erhielt die notwendigen Dokumente. Es wird einiges an Unterlagen gebraucht (Students Exchange Form, Training Application Form, Empfehlungsschreiben von einem Tutor, Official transcript, Curriculum Vitae, Kopie vom Studentenausweis, Passbild), es lässt sich aber alles organisieren. Wer schon einmal eine Famulatur im Ausland absolviert hat oder sich anderweitig im Studium im Ausland beworben hat, wird die meisten Dokumente wahrscheinlich schon da haben.
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