Eine Organisation eines PJ-Tertiales in Norwegen bzw. Schweden ist aufwendig, aber es lohnt sich :) Der Bewerbungsprozess ist der gleiche wie für ein Erasmus-Auslandssemester. Sprachnachweise, Motivationsschreiben, Learning Agreement usw. - all das muss vorher geregelt werden. Für Norwegen kam außerdem ein MRSA-Test hinzu. Dieser muss negativ vor Arbeitsbeginn vorliegen und in Englisch ausgestellt sein. In meiner Hausarztpraxis konnte mir kurzfristig zwischen den Feiertagen geholfen werden. Elin Holm ist die Verantwortliche für ausländische Medizinstudierende, mit der man sich vorher in Kontakt setzt. Bei rechtzeitiger Anreise zeigt sie einem vor Arbeitsbeginn das Krankenhaus und wo man Kleidung erhält. Ich erhielt per Mail ein Einteilung: 6 Wochen Plastische Chirurgie und 6 Wochen endokrine und Brustchirurgie. Wegen der Anerkennung in Deutschland hatte ich da erstmal Angst, aber bei der Ausstellung der Bescheinigung schreibt man einfach nur "Surgery" und dann passt das alles. Ich kann beide Abteilungen, v.a. aber die Plastische Chirurgie total empfehlen. Aus der Allgemeinchirurgie habe ich nicht so viel Gutes gehört, da das team viel größer ist, dort viele norwegische Studierende ihre Kurse haben und man im Prinzip nur hospitiert. In der Plastischen Chirurgie erhielt ich eine umfangreiche Einführung in Naht-und Fadenkunde, assistierte am Anfang, durfte im Verlauf immer die Haut und Subkutannaht machen und führte am Ende kleine Exzisionen selbstständig von der Lokalanästhesie bis zum Pflaster/Verband durch.
Die Plastsiche Chirurgie teitl sich tgl. in die Poliklinik, Dagkirurgi und Haupt-OP, sowie einen ambulanten OP mit v.a. dermatologischen Eingriffen im Gesicht. Auf Station war ich so gut wie nie. Am Morgen dauert die Frühbesprechung ca. 1 h und man kann viel lernen. Die internen Fortbildungen und Vorträge finden 2-3x pro Woche statt. Studientage gibt es zwar nicht, aber der Chef sagt einem am Anfang direkt, dass man auch mal freimachen kann, um zu reisen.
In der endokrinen und Brustchirurgie war es etwas strenger. Eingriffe sind an der (Hemi-)Thyreodektomie, Parathyreodektomie, LK-Dissektionen, NNR-Entfernungen und Brustkrebschirurgie (BET, Mastektomie, SLN, Axilladissektion). Wenn ich nicht assistieren konnte, fragte ich immer mal wieder in der Plastischen Chirurgie.
Bezüglich der Freizeit schlät das Outdoor-Herz höher: Loipen überall auf der Insel, Fjellski, Schneeschuhwanderungen, Touren-Ski und im Winter ein cooles Bad und Kletterhalle. Unbedingt eine SIM-Karte für Turbo im Stadtzentrum neben der Bibliothek besorgen, um sich kostenlos Ausrüstung auszuleihen!
Sprache: Ich spreche Schwedisch und passte das im Verlauf an Norwegisch an. Alle sind aber auch bemüht Englisch zu sprechen. Dennoch finde ich, dass man auf Norwegisch mehr partizipieren kann.