Allgemeines:
Da es in Frankreich kein PJ gibt, ist man als PJler ein "Externe",. Die französischen Externes sind je nach Fachrichtung im 4-6 Studienjahr und machen z.B. in Monpellier 5 Wochen Praktikum auf der Station. Die Aufgaben der Externes während dieses Praktikums sind sehr unterschiedlich von Fachrichtung zu Fachrichtung und von Universität zu Universität. In einigen Disziplinen ist man hauptsächlich Beobachter, in anderen übernimmt man die komplette Patientenaufnahme.
Lehre in der HNO Montpellier:
In der HNO in Montpellier ist man primär eher Beobachter, kann aber je nach Engagement auch mehr Dinge eigenständig übernehmen.
Zu Beginn wird jeder Externe einem Tutor (in den meisten Fällen Oberärzte) zugeteilt, dem man dann überall hin folgt und assistiert. Wenn der Tutor Sprechstunde hat, darf man immer dabei sein und hinund wieder selber untersuchen. Wenn man Fragen hat, erklären die Tutoren es einem und nehmen sich meistens sogar extra Zeit, um einem Dinge zu zeigen, wenn man sich dafür interssiert. Natürlich hängt das auch vom Tutor ab, aber im großen und ganzen kann ich sagen, dass fast alle Oberärzte sehr freundlich und aufgeschlossen waren, wenn man sich interressiert zeigte. In Frankreich gibt es nämlich eine ganz eigene Kultur der Lehre. Observation ist alles! Selbst die Assistenz-und Fachärzte haben bei den Sprechstunden und Operationen der Oberärzte teilweise einfach nur zugeschaut. Es ist ganz normal, dass immermindestens einer neben einem Oberarzt sitzt, der was lernen will. Und das fand ich sehr gut!
Zu dem hatte ich Glück, dass auf meiner Station ein sehr Lehre-motivierter Facharzt war, der jede Woche eine ausführliche Lehrvisite gemacht hat. Ansonsten gab es jede Woche mittwoch Nachmittag eine Besprechung mit allen Assistenzärzten (Internes) und Studenten (Externes), wo immer je ein Interne von den zwei HNO-Stationen einen Vortrag zu einem Krankheitsbild gehalten hat und dabei gleich Fragen vorbereitet hat, die je nach Schwierigkeitsgrad entweder an die anderen Internes oder an die Externes gerichtet hat. Das war super, so hat wirklich viel gelernt.
Arbeitsbeginn und Ende:
Der Arbeitstag begann entweder gegen 8.30-9.00 Uhr wenn der Tutor morgens Sprechstunde (consultations) hatte oder um 8.00 Uhr, wenn der Tutor morgens OPs (OP=le bloc) hatte. An manchen Tagen hatten wir um 8.00 Uhr eine Lehrvisite oder eine interdisziplinäre Konferenz (z.B. Pädiatrische HNO). Das Arbeitsende lag meist auch zwischen 18 und 19 Uhr, je nach dem ob nachmittags noch eine Besprechung oder eine Lehrveranstaltung war.
Fehlzeiten:
Ich habe ein halbes Tertial gemacht und durfte deshalb offiziell keine Fehltermine haben. Ansonsten konnte man aber unkompliziert einfach ein paar Tage vorher Bescheid geben, dass man frei nimmt und es wurde ohne Probleme erlaubt. Richtig gebraucht wurde man ja nicht, außer vielleicht im OP und da gab es auch immer andere Studenten.
Essen, Unterkunft, Finanzierung:
Die Internes sind zum Essen, wenn genug Zeit war, immer ins Internat gegangen (ja da wohnen wirklich welche wie in einem Intenat und genauso sieht es auch aus). Dort gabs lecker Buffet und hin und wieder Wein oder Cider zum Essen dazu :) Problem war, dass eigentlch keine Externes erlaubt waren, da wir nicht bezahlen. Aber wir wurden trotzdem oft mitgenommen. Ansonsten gab es auch eine Cafeteria (die teuer und nicht so gut war) oder man hätte mit seiner Unicard in der Mensa (Triolet) essen gehen können. Meistens hatte man 1-2 Std Mittagspause. Wenn man sich gut mit den Internes verstanden hat, haben sie einem auch Bescheid gesagt, wenn sie ins Internat gegangen sind. Eine Unterkunft bekommt man nicht gestellt, muss sich also selbst kümmern. Hierzu sind Facebook oder leboncoin.fr geeignet. Finanzierung bekam ich über das ERASMUS+ Programm 495€/Monat. Der Bewerbungsaufwand ist etwas größer, dafür bekommt aber auch jeder dieses Stipendium. Einziger Nachteil, für die Förderung muss das Praktikum mind. 60 Tage dauern, aber der zuständige für die Internationals (Monsieur Omar Masrar) kennt das Problem und schreibt auch mal mehr Tage auf, wenn man nur ein halbes Tertial (56 Tage) macht. ;)
Freizeit:
Montpellier ist super, auch im Winter! Wer ein Auto hat und irgendwo eine Parkmöglichkeit hat, sollte es mitnehmen! Die Region ist wirklich besser mit dem Auto zu erkunden. Übrigens einfach in der Stadt parken geht nur mit Anwohnerparkausweis und die Parkhäuser sind sehr teuer! Aber vielleicht habt ihr bei eurer Wohnung einen Stellplatz?