PJ-Tertial-Bericht am Hospital Civil Fray Antonio Alcalde ("Civil viejo")

Urologie

Guadalajara, Mexiko · 8 Wochen · Station Urologie · 01/2019 – 03/2019

Veröffentlicht am

2.13
Ø Gesamtnote
aus 9 Kategorien

Einzelbewertungen

Gesamt 2
Team Station 1
Kontakt zur Pflege 3
Ansehen des PJlers 1
Klinik insgesamt 3
Unterricht 1
Betreuung 3
Freizeit 1
Station / Einrichtung 3

Details zum Einsatz

Weitere Tätigkeiten
0
Vergütung
kein
Gebühren
keine

Erfahrungsbericht

Die Klinik für Urologie am Hospital Civil Fray Antonio Alcalde ("Civil viejo") hat zwei OP-Säale und einen Raum für kleinere Eingriffe. Um die zehn Patienten sind stationär aufgenommen. Der Tag beginnt 07:00 mit einem Journal-Club, der von den Residentes (Assistenzärzten) gehalten wird. Je nach Umfang des Thema endet die Präsentation zwischen 07:30 und 08:00. Ich habe den Journal Club als sehr lehrreich empfunden. Danach geht es mit den Assistenzärzten und den 4-6 Studenten im vierten Jahr (internos) auf Visite. Zwei davon beginnen mit der Aufnahme der für den nächsten Tag geplanten Patienten, füllen Dokumente aus, erledigen Organisatorisches und nehmen Blut ab. Ab 09:00 beginnen in dem kleinen OP-Raum urologische Eingriffe, meistens sind das transurethrale Prostataresektionen, Steinentfernungen (Laserlithotripsie), Einlage von Doppel-J-Kathethern, Zystoskopien, Entfernung von Strikturen. Größere Eingriffe finden in einem modernen OP-Saal der Abteilung für Gynäkologie statt (laparoskopische Prostatektomien, Nephrektomien, Zystektomien, Ureteranastomosierungen, offenen Steinentfernung). Einen Da-Vinci-Roboter gibt es auch in Guadalajara, aber nicht im öffentlichen Hospital Civil, sondern im privaten San Javier. Zugang schwierig, wenn man es einmal sehen möchte. Von 10:00 bis 12:00 und von 14:00 bis 16:00 findet die Sprechstunde statt. Es werden Neupatienten gesehen, Verlaufskontrollen durchgeführt und postoperative Kontrolle. Das Spektrum ist vielfältig, Hodentumore, Peniskarzinom, Prostatasyndrom, Steinleiden, Impotenz, Sexualmedizin, Andrologie, Infertilität, Inkontinienz. An manchen Tagen kann man das komplette Spektrum der Urologie sehen. Innerhalb von 2 Stunden werden in der Regel pro Assistenzarzt etwa 15 Patienten gesehen. Als Student unterstützt man den Assistenten beim Ausstellen von Rezepten, Überweisungen, Konsilen, Anforderungen für den nächsten Termin und bei der körperlichen Untersuchung. Von 14:00 bis 16:00 finden zusätzlich kleine Eingriffe statt (procedimientos) wie Zirkumzisionen, Kastrationen, Wechsel von Doppel-J-Kathetern, Biopsieentnahme tumorsuspekter genitaler Läsionen, Entfernung von Condylomata. Ein Assistent hat 24h-Dienst, den man auf die Notaufnahme begleiten kann. Als Student aus dem Ausland genießt man den Status des "medico pasante", als jemand, dem man gerne etwas zeigt, aber von dem nichts verlangt wird. Die Integration in den Arbeitsalltag ist also stark von der Eigeninitiative abhängig. Es kommt auch vor, dass die einheimischen Student aus Höflichkeit Hilfeangebote ablehnen. Wenn man mitarbeiten will, muss man es sich einfach reinwerfen. Die Lehre wird zu 100% von den residentes realisiert. Die Oberärzte kommen in der Regel zwischen 08:30 und 09:00 und sind bei den Operationen präsent, sonst wenig. Einen organisierten Unterricht oder Lehre erteilen sie nicht. Die Qualität der morgendlichen Unterrichtseinheiten ist allerdings so gut, dass die geringe Oberarzt-Präsenz nicht so ins Gewicht fällt. An den immer wieder vorkommenden Mangel an Materialen muss man sich gewöhnen, auch an den Ausfall von Geräten und das Verschieben von Eingriffen (eine Patientin kam mit schmerzhaften Steinleiden im Nierenbeckenkelch zwei mal innerhalb von 4 woche aus dem 5 Stunden entfernten Puerto Vallarta und musste wieder umdrehen, weil das flexible Ureterrenoskop nicht funktionstüchtig und die Reparatur bis auf weiteres nicht bezahlt werden konnte). Die Geräte sind gut (Zystoskope und Endoskope von Storz, Laser aus Amerika) aber teilweise extrem benutzt und unzureichend gewartet. Auch muss man sich an die hohe Zahl an Fällen von kurativ nicht mehr behandelbaren Patienten gewöhnen, da das Hospital Civil Patienten aus dem gesamten Bundesstaat Jalisco empfängt (25% der Fläche von Deutschland) und vor allem jene aus ländlichen Regionen und Bergen vor dem Besuch in der Klinik noch nie einen Urologen gesehen haben. Man sieht viele fortgeschrittene Penis- und Prostatakarzinome. Komplizierte Steinleiden mit infizierten, hypotrophen und abzessdurchsetzten Nieren. Kindskopfgroße Nierentumore mit Metastasen in Leber und Hirn. Das Leiden der Patienten ist manchmal extrem und bei vielen ist die Nachsorge, wenn sie das Civil einmal verlassen haben, ungewiss. Das Schöne auf der andere Seite ist, dass vielen Patienten geholfen werden kann, die sich sonst an zahlreichen privaten Krankenhäusern niemals eine Therapie hätten leisten können. Das Gesicht eines Patienten zu sehen, der von den Qualen einer nicht enden wollenden Nierenkolik erlöst wurde, ist unbezahlbar.

Bewerbung

3 Monate bei Juan Jose Maldonado, oficina internacional del hospital civil

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