PJ-Tertial-Bericht am Jewish General Hospital

Kardiologie

Montreal, Kanada · 8 Wochen · Station Konsildienst (Notaufnahme, Fremdstationen) · 05/2018 – 07/2018

Veröffentlicht am

1.00
Ø Gesamtnote
aus 9 Kategorien

Einzelbewertungen

Gesamt 1
Team Station 1
Kontakt zur Pflege 1
Ansehen des PJlers 1
Klinik insgesamt 1
Unterricht 1
Betreuung 1
Freizeit 1
Station / Einrichtung 1

Details zum Einsatz

Weitere Tätigkeiten
0

Erfahrungsbericht

Nachdem ich Stunden damit verbrachte, multiple Erfahrungsberichte im Internet zu lesen, hat sich aufgrund einer guten Lehre und des netten Umgangstons das Jewish General Hospital bei mir als Erstwunsch herauskristallisiert. Das Krankenhaus besticht mit einer neuen und riesigen Notaufnahme, ist natürlich Lehrkrankenhaus der McGill Universität und auch unter den Assistenten beliebt aufgrund des hohen Patientenaufkommens und der guten Lehre. Da sonst im Studium eher stiefmütterlich von mir behandelt, wollte ich die vollen zwei Monate in der Kardiologie verbringen, genauer im Consultation Service. Verglichen zur Stationsarbeit ist der Vorteil im Konsildienst, dass man weniger Zeit damit verbringt, sich in zukünftig irrelevante Stationsabläufe einzuarbeiten und in kurzer Zeit eine hohe Anzahl an Patienten sieht. Mein Arbeitstag in der Kardiologie begann um 7:30 zur Übergabe, wo der/die Diensthabende uns über Patienten in Kenntnis setzte, die sich gerade in der Notaufnahme befanden und auf eine kardiologische Sichtung oder Reevaluation warteten. Anschließend trafen sich die Studierenden und Assistenzärzte/Innen gegen 8.15 zum täglichen einstündigen oberärztlichen Teaching im Konferenzraum, die Themen umfassten Herzinsuffizienz, Transplantationen, Rhythmusstörungen und vieles mehr. Das Team im Konsildienst bestand meistens aus 2 Assistenzärzten, 2-4 Studierenden und einem Oberarzt, der jeden Tag wechselte. Als nächstes wurden die Patienten verteilt, hier hatte man dann die Chance, sich die Vorbefunde durchzulesen, den Patienten zu untersuchen, und sich anhand der gesammelten Informationen eigenständig „Impression“ und „Plan“ zu überlegen, was der Verdachtsdiagnose und dem Prozedere entspricht. Neben der Notaufnahme ist man im Konsildienst auch für die kardiologischen Anfragen im restlichen Krankenhaus zuständig, der Ablauf ist im Grunde der selbe, nur dass man anstatt der Vornotizen des/der triagierenden Arztes/Ärztin aus der Notaufnahme die gesamte (und sehr ausführliche) Patientenakte nutzt. Nachdem alle ihre Patienten gesehen haben stellt man diese dem Oberarzt vor, geht zusammen alle relevanten Befunde durch und untersucht in jedem Fall den Patienten zusammen nach bevor das Prozedere besprochen und umgesetzt wurde. Mein Arbeitstag endete gegen 17 Uhr mit der Übergabe, ganz selten mal früher, etwas häufiger auch später (18 Uhr). Die Tage im Konsildienst waren sehr abwechslungsreich, ich habe viele verschiedene Krankheiten gesehen und trotzdem einen Sinn für die häufigen Entitäten bekommen. Die Oberärzte und Oberärztinnen nutzen jede Gelegenheit zum Lehren und haben stets nach möglichen Differentialdiagnosen gefragt oder Befunde der körperlichen Untersuchung besprochen. Der Umgangston war dabei immer extrem freundliche, nett, konstruktiv und niemals vorwurfsvoll bei Nichtbeantwortung von Fragen. Was den Arbeitsalltag definitiv unangenehm beeinflusst sind neben langsamen Computern, die Tatsache dass enorm viel handschriftlich dokumentiert wurde, was mir in Verbindung mit dem Hang zu medizinischen mir unbekannten Abkürzungen öfter Kopfschmerzen bereitete. Ca. 1/3 der PatientInnen im Jewish General sprachen ausschließlich Französisch und konnten sich somit über eine halbfranzösische/halbpantomimische Anamnese von mir amüsieren. Im Alltagsleben war es innerhalb Montréals allerdings kein Problem sich nur mit Englisch zu verständigen, das Wechseln zwischen fließendem Englisch und Französisch hat mich nachhaltig beeindruckt. Völlig anders sah das allerdings im Rest von Quebec aus. Schon in Quebec City ist die französische Dominanz unschwer zu erkennen, auf dem Land beschränkte sich die Kommunikation mit den QuebecerInnen auf sehr gebrochenes Französisch meiner- und gebrochenes Englisch ihrerseits. Ein großer Nachteil, ein Teil seines Praktischen Jahres in Kanada zu absolvieren ist natürlich der finanzielle Aspekt und der hohe organisatorische Aufwand, aber bei all der Freundlichkeit und der atemberaubenden Landschaft kann ich ein Auslandstertial in Kanada definitiv weiterempfehlen.

Bewerbung

Allein für die Registrierung ist das Bezahlen von 500 CAD notwendig, dazu kommen an der McGill University Studiengebühren für 8 Wochen PJ in Höhe von ca. 800 CAD. Das Portal verlangt im weiteren Verlauf Versicherungsbestätigungen und einen CV, die meiste Arbeit macht jedoch der sehr ausführliche Nachweis über den Immun- und Impfstatus, welches u.a. 2 Tuberkulose-Hauttests (ca.60 € ) und einen Nachweis der landläufigen Impfungen benötigt, welches vom Hausarzt unterschrieben wird. Weiterhin muss der Dekan der Heimatuniversität den Stand eures Medizinstudiums bestätigen. Ein zusätzlicher kostenintensiver Punkt ist eine medizinische Untersuchung, die nur von der kanadischen Regierung befugten Hausärzten durchgeführt werden darf (250 – 300€). Die genannten Dokumente müssen ca. 8 Monate vorher vollständig hochgeladen werden.
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