hier mein Bericht in Kürze und Essenz: ( Chirurgie Tertial - November 2016)
1. fließende Spanischkenntnisse bzw. sicherer Umgang mit der Sprache und Schrift!
2. Die Uni will nur euer Bestes, 50$ pro Woche, das sollte jedem klar sein. Dafür könnt ihr Urlaub machen, ohne dass jemand was sagt.
3. Operationsfreizügigkeit, weil das Land arm ist: Fehlanzeige! unqualifiziertes Personal gibt es zu genüge...jeder will was "besonderes" machen!
4. wer was lernen will: meldet euch für ein Landarzt-Praktikum in der Kaffeezone an - organisiert von derselben Uni. => siehe meinen Bericht über: La Dalia - Famulatur
pro:
1. niemand überwacht die Arbeitszeiten, man kann kommen und gehen wann man will, solange man morgens in der Besprechung (7:00 Uhr) erscheint, und selbst das muss man irgendwann auch nicht mehr machen. Die Unterschrift am Ende des Tertials gegen Vorlage der Zahlungsquittung ist relativ Safe.
2. im Vorfeld ist die Organisationen mit einer verbindlichen Zusage des Sekretariats relativ sicher und mir ist noch keine böse Überraschung zu Ohren gekommen.
4.. Dienste (14:00 - 07:00 (+1) ) versprechen mehr Integration in das Team, da weniger Besetzung ist und mehr Zeit bleibt, sich als Ausländer in die Gruppe einzufügen.
5. Nicaragua ist ein wunderschönes Land, es gibt viel zu bereisen und mit dem einen oder anderen guten Kontakt auf Station lässt sich auch der eine oder andere Monat Abwesenheit gut ausbügeln. Das ist wahrscheinlich der größte Vorteil, eure Anwesenheit wird nicht wirklich kontrolliert und es bleibt viel Platz für Urlaub, vorher und währendessen!
contra:
1. der PJler hat im nicaraguanischen Ausbildungssystem keine festen Aufgaben. Dortige Studenten im 6. Studienjahr kommen in Gruppen, es ist unserem Blockpraktikum ähnlicher. Rotationen sind häufiger und deswegen hat der Pjler keinen wirklichen Platz auf Station. Es ist niemand für dich verantwortlich.
2. die Assistenzärzte im Universitätskrankenhaus Leon sind sehr ehrgeizig und haben nicht wirklich Lust, auch noch einen ausländischen Studenten zu unterrichten. Arbeit kann man nur insoweit abnehmen, wie man das dortige Krankensystem versteht. Der größte Teil der ärztlichen Tätigkeit sind Briefe schreiben, Rezepte schreiben oder im OP Saal assistieren.
3. es ist mehr als offensichtlich, dass die Fakultät lediglich ein Interesse an den ausländischen Studenten hat aufgrund der Pjler Gebühren, welche pro Tertial bei 800 $ (50 $ pro Woche) liegen. die Kontrollen hierfür sind vor allem im Jahr 2016 stark erhöht worden, da in den Jahren zuvor kaum jemand diese Studiengebühren bezahlt hat. Daher weise ich ganz klar darauf hin, dass man damit rechnen muss, dass man zur Verantwortung gezogen wird, wenn man versucht, sich vor den Studiengebühren zu drücken.
4. Zugänge, Blutentnahmen, Aufnahmen sind eher selten. Für die ersten 2 Dinge gibt es Krankenschwestern, bzw. speziell geschultes Labor Personal, die sich darum kümmern. Aufnahmen können gemacht werden, wenn ihr mit dem Spanisch gut zurechtkommt und die Assistenzärzte genug Vertrauen darin haben.
5. die angebliche Aufnahmebeschränkung für PJ Studenten ist reine Augenwischerei. Wir waren laut Liste im PJ-Tertial vom November bis März bis zu 15 (!) Studenten (Deutsche, Holländer,Franzosen, Schweden), von denen regelmäßig in der Morgenbesprechung 1-3 Studenten anwesend waren. niemand wird sich 15 Studenten annehmen, und schon gar nicht, wenn es mehr Studenten gibt als Assistenzärzte. Das finanzielle Interesse der Universität ist kaum zu übersehen!
6. als Frau: Toleranz gegenüber einer sehr patriarchalisch eingestellten Gesellschaft (Machos soweit das Auge reicht; nicht nur bei den Patienten...).