PJ-Tertial-Bericht am UniversitaetsSpital Zuerich (USZ)

Allgemeinchirurgie

Zuerich, Schweiz · 8 Wochen · Station Notfall, Herzchirurgie · 09/2016 – 11/2016

Veröffentlicht am

4.87
Ø Gesamtnote
aus 9 Kategorien

Einzelbewertungen

Gesamt 5
Team Station 5
Kontakt zur Pflege 3
Ansehen des PJlers 6
Klinik insgesamt 5
Unterricht 5
Betreuung 5
Freizeit 4
Station / Einrichtung 5

Details zum Einsatz

Weitere Tätigkeiten
0
Vergütung
860
Gebühren
45€ für Unistempel, 80€ für Anmeldung in der Schweiz

Erfahrungsbericht

-Klinik/Ausbildung: Ich hatte eigentlich vor, vier Monate in Zürich zu bleiben. Die Lehrbedingungen, die ich dort vorgefunden habe, haben allerdings in keinster Weise meinen Erwartungen entsprochen. Ich habe daher dort gekündigt und mein PJ-Tertial gesplittet. Kündigung geht eigentlich nicht, das war ein Entgegenkommen von Frau Gröflin. Ein Mit-PJler, der zwei Wochen nach mir kündigen wollte, durfte das dann nicht mehr. Es wären dann dort einfach zu wenige Unterassisten gewesen. Man ist in der Schweiz als Unterassistent angestellt. Die Abkürzung für uns ist Uhu (UHU=Unterhund) und ein bisschen entspricht das auch dem, wie man im Unispital behandelt wird. Es wird einem soviel beigebracht, dass man repetetive, für die Ärzte lästige Stationsarbeit machen kann und mehr auch nicht. Bei Nachfragen wird einem mal mehr, mal weniger freundlich bedeutet, dass man das lassen soll. Im OP hält man Haken, kann oft das Operationsfeld gar nicht überblicken. Auch hier wird auf Nachfrage nur selten was erklärt. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die sind eindeutig in der Minderzahl. Die Stimmung im Team ist schlecht. Die Fluktuation ist wohl auch deswegen hoch, ständig kündigt jemand. Als UnterassistentIn wird man auf die Bereiche Notfall, Herz-, Unfall-, Viszeral- und Plastische Chirurgie verteilt. Dort bleibt man jeweils einen Monat und wechselt dann den Bereich. Man darf Wünsche bezüglich der Rotation äußern, die werden aber so gut wie nicht berücksichtigt. Ich war auf dem Notfall und in der Herzchirurgie. Auf dem Notfall hat man Schichtdienst. Es gibt dabei Tag-, Spät- und Nachtdienst. Man arbeitet etwa 6-7 Tage am Stück und hat dann ausgleichsfrei. Wochenende ist inbegriffen, ich hatte zum Beispiel von fünf Wochenenden an vier Dienst. Schichten sind am Tag 7-10, Spät- und Nachtdienste 10-14 Stunden lang. Nachts ist man dann auch wirklich die ganze Zeit wach. Da man jeweils von einem Unterassistenten abgelöst wird, der die nächste Schicht übernimmt, werden diese Zeiten auch eingehalten. Das Notfallinstitut ist schon echt gut organisiert, es war schön zu sehen, wie effizient Abläufe in der Medizin sein können. Man geht dann in der Regel zum Patienten, macht Anamnese und körperliche Untersuchung und rapportiert das dann jemandem von der ärztlichen Seite. Die machen dann in der Regel das Gleiche in Kurzform nochmal. Bei den folgenden Schritten - differentialdiagnostische Überlegungen, Anmeldung von Untersuchungen etc. ist man dann meistens nicht mehr dabei. Man schreibt dann nämlich bereits den Brief, fügt Befunde ein. Das ist ziemlich stupide und man lernt dabei leider recht wenig. Was echt cool war, ist, dass man v.a. nachts selber nähen durfte. Es gab da einen Wundversorgungsraum, dort konnte man sich alles steril herrichten und dann selber LA setzen und Wunden nähen oder tackern. Da war man ziemlich selbstständig. Ich konnte dort auch mal nen Abszess spalten oder habe bei kleineren plastischen Eingriffen assistiert. Es war dort insgesamt aber auch viel „Deppen“-Arbeit dabei, wie Bilder archivieren gehen, Befunde abtippen.. Insgesamt wäre diese Rotation aber vom Medizinischen her echt noch ok gewesen, da man zumindest verschiedene Krankheitsbilder sieht und wenn man immer wieder sich für sich einsetzt, auch mal was machen kann. Die Arbeitszeiten waren für mich schon hart, man konnte auch wenig planen, da man dann doch noch kurzfristig für das Wochenende eingesetzt wird etc. Und vor allem gab es dort viele Leute vom ärztlichen Personal, die unglaublich unfreundlich zu uns Unterassisten waren. Das habe ich in der Form noch nie erlebt. Die zweite Rotation war dann auf die Herzchirurgie. Dort war man immer eine Woche auf die Station und eine in den OP eingeteilt. Auf der Station war man für die Eintritte zuständig (etwa so 6-9 pro Tag). Man hat erstmal die Briefe angelegt, dafür alle Befunde angefordert, teilweise gescannt, diese dann reinkopiert. Dabei sind dann Rechtschreibfehler aufgetreten. Daher hat man dann noch den gesamten Text daraufhin untersucht. Ich beschreibe das jetzt mal so ausführlich, weil das doch einen großen Umfang der täglichen Arbeit ausgemacht hat. Die Anamnese und körperliche Untersuchung waren dann immer gleich. Man ist immer die gleichen Fragen durchgegangen, hatte eh auch nur wenig Zeit. Danach hat man den Brief vervollständigt und ist dann in die Nachmittagsbesprechung. Die ging immer so ne Stunde und danach hat man weiter die Eintritte gemacht, die dann noch kamen. In der OP-Woche wurde man in die einzelnen OPs zugeteilt, und hat da 2. Assistenz gemacht. Das waren echt schon interessante Operationen. Leider stand man nur in der Regel so, dass man so gut wie nichts sehen konnte. Bei Nachfrage durfte man mal kurz den Haken abgeben und ins OP-Feld schauen. Erklärt wurde fast nichts, auch auf Nachfrage nicht. Die meisten Chirurgen waren sogar unfreundlich und cholerisch und haben den ganzen OP-Saal zusammengeschrien. Die einzige Ausnahme hat der für die Ausbildung verantwortliche Arzt Dr. Inderbitzin gebildet. Wenn man bei ihm war, konnte man was sehen, er hat erklärt. Ich durfte bei ihm sogar mal alleine nen VAC-Wechsel durchführen. Arbeitszeiten waren hier etwa 10 Stunden am Tag, je nach Fähigkeit, sich zu weigern, länger zu bleiben, sonst waren es auch mehr. Dazu kommt Pikettdienst, das heißt nach einem regulären Arbeitstag nachts Bereitschaft. Wenn man spät in der Nacht gerufen wird, muss man am nächsten Tag nur den halben Tag kommen, sonst den ganzen Tag. Piket gibt es auch am Wochenende, dann von 8-8 Uhr, nur bei Diensten in der Nacht vom Sonntag spät ausgleichsfrei. Fortbildungen gab es sporadisch auf der Herzchirurgie, bei mir hat das nur einmal stattgefunden und war ok. Auf dem Notfall gab es immer um 8 Uhr eine Morgenbesprechung mit kurzer Fortbildung, das war ganz gut. Was die anderen UnterassistentInnen berichtet haben, soll Unfallchirurgie furchtbar sein, Plastische etwas besser als furchtbar und Viszeralchirugie ok, nur mit noch längeren OP- und Arbeitszeiten. - Fazit: Insgesamt kann ich den Aufenthalt am Unispital AUF KEINEN FALL EMPFEHLEN! Ich würde über mich sagen, dass ich gut für mich einstehen kann und so habe ich zumindest ein wenig gelernt. Ansonsten lernt man, denke ich, nichts. Man wird regelrecht ausgebeutet, muss viel arbeiten und erhält dafür (auch monetär für Schweizer Verhältnisse, etwa 930CHF brutto für 31 Arbeitstage) sehr wenig. Wenn man nach Zürich - eine schöne Stadt mit einem hohen Freizeitwert - gehen möchte, würde ich empfehlen, ein kleineres Haus aufzusuchen. Das Klinikum Hirslanden soll gut sein, ebenso das Waidspital und das Spital Zollikerberg. Unterkunft/Organisation: Es gibt ein Wohnheim für Studierende, das gleich neben dem Spital liegt. Dort wohnen fast alle PJlerInnen (Kosten etwa 640CHF/Monat). Da gibt es ein kleines Zimmer (etwa 9qm), Küche und Bad teilt man sich mit den anderen auf seinem Flur. Ich selbst habe da nicht gewohnt, kenne aber Leute, die das gemacht haben und einigermaßen zufrieden damit waren. Man findet da relativ schnell Anschluss, es gibt gemeinsames Essen und Partys. Bei meinen Besuchen dort fand ich es da ganz nett. Ist eben nicht so ein schöner Bau und für die Zimmergröße schon ziemlich teuer. Ich habe eine Wg gefunden für die Zeit. Man kann das versuchen über wgzimmer.ch oder Facebook (die Stusti-Gruppe oder ETH Sharing&Caring), bei ronorp.net oder direkt bei der WOKO oder JUWO (haben für Zürcher Verhältnisse günstige Wohnungen für Studis). Ich hatte ziemliches Glück und habe bei der ersten Wg, die ich angeschrieben habe, schon ne Zusage bekommen. Sonst ist das aber eher ein langwieriger Prozess. Man findet dann aber mit etwas Geduld und Glück schon was für 500-600CHF warm und auch in ganz schönen Vierteln (Wipkingen, Züri West, Kreis 4 und 5). Man muss ein Schweizer Lohnkonto eröffnen, um den Lohn vom Spital zu kriegen. Kann man an jeder Poststelle machen, man kriegt dazu auch noch Unterlagen vom Unispital am ersten Tag. Das kostet nichts, wenn man eine Schweizer Meldeadresse hat, sonst etwa 30CHF Kontoführungsgebühr pro Monat. Außerdem muss man sich innerhalb von acht Tagen amtlich melden. Dazu geht man in seinem Kreis zum Amt und beantragt einen Ausländerausweis. Kostenpunkt ist 85CHF. Passbild wird benötigt, sonst kann man die aber auch für 10- 15CHF im Amt machen lassen. Man erhält dann einen vorläufigen Ausweis, der endgültige Ausweis wird einem dann zugeschickt. Diesen muss man dann an der Poststelle vorzeigen, um eben die Kontoführungsgebühr zu umgehen. Man muss sich in der Schweiz krankenversichern, allerdings nicht, wenn man noch studiert. Nach etwa drei bis vier Wochen erhält man ein Anschreiben, dass man zwingend eine Krankenversicherung abschließen muss. Hier muss man einfach zurückschreiben, dass man noch studiert und sich also von dieser Pflicht befreien lassen möchte. Das Gleiche gilt für die (Quellen-)Steuer, da wird man ebenfalls angeschrieben. Man muss ein Formular ausfüllen und an das zuständige Amt schicken. Unser Gehalt ist zu gering und wird also nicht besteuert. Der öffentliche Nahverkehr ist recht teuer in Zürich. Ich würde empfehlen, ein Fahrrad mitzunehmen oder dort eins übers Internet zu kaufen. Das ist billiger und man sieht so viel von der Stadt. Ich hab das gemacht und man kann sich die Stadt wirklich gut mit dem Fahrrad erschließen. Auto mitnehmen kann man auch. Es ist nur ziemlich schwer, nen Stellplatz zu finden, der nicht horrend viel kostet. Damit ist man aber schnell in der Bergen und spart sich die sehr teuren Zugtickets. Wenn man viel Zug fährt, kann man sich ein Haltbax kaufen, zahlt dann nur die Hälfte. Oder es gibt im jeweiligen Kreisbüro Kontingente an Tages-GAs (Generalabonnement), mit denen man sehr günstig durch die Schweiz reisen kann. Für das PJ-Zeugnis muss man Frau Gröflin kontaktieren, die füllt die Bescheinigungen aus. Um eine Äquivalenzbescheinigung bzw einen Unistempel zu kriegen, den man für die Anerkennung bei der Heimatuni braucht, muss man noch einmal eine Bearbeitungsgebühr von 50CHF zahlen. Dazu die Kontoadresse bei Frau Gröflin erfragen, und entweder online oder per Scheck das Geld überweisen, dann stellt einem Frau Gröflin das auch aus.

Bewerbung

Ich habe mich etwa ein Jahr im Voraus beworben bei der zuständigen Sekretärin des chirurgischen Departments, Donata Gröflin. Da immer wieder Leute abspringen, ist, denke ich, auch eine kurzfristig Bewerbung möglich. Man muss dann einige Formulare (CV, Motivationsschreiben, Notenauszug etc.) dahin schicken und bekommt dann innerhalb von einigen Tagen die Bestätigung des PJ Platzes. Diese Bestätigung sollte man innerhalb von vier Monaten unterschrieben zurückschicken, um den Platz definitiv zu bekommen.
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