PJ-Tertial-Bericht am CHU Nimes

Gynäkologie

Nimes, Frankreich · 16 Wochen · Station Urgences, Bloc générale, Bloc obsté · 06/2011 – 10/2011

Veröffentlicht am

2.27
Ø Gesamtnote
aus 9 Kategorien

Einzelbewertungen

Gesamt 2
Team Station 2
Kontakt zur Pflege 2
Ansehen des PJlers 2
Klinik insgesamt 2
Unterricht 6
Betreuung 4
Freizeit 1
Station / Einrichtung 1

Details zum Einsatz

Gebühren
5

Erfahrungsbericht

Hallo an alle die das PJ noch vor sich haben, Da ich schon ein ganzes Austauschjahr in Frankreich verbracht habe, stand für mich schnell fest, dass ich gerne nochmal einen Teil meines PJs dort verbringen wollte. Diesmal sollte es in den Süden Frankreichs nach Nimes gehen. Das französische System des Medizinstudiums unterscheidet sich wesentlich im Vergleich zum deutschen. In Nimes ist es so, dass die Studenten morgens Praktikum im Krankenhaus haben und am Nachmittag Kurse und Vorlesungen haben. In der vorlesungsfreien Zeit müssen die Studenten auch Praktika absolvieren, wobei sie anstatt die ganze Zeit halbtags, die Hälfte der Ferien ganztags kommen. So wurde ich zu Anfang mit in die Planung der französischen Studenten einbezogen und hatte so Glück, dass ich insgesamt auch 6 Wochen frei bekam. In der vorlesungsfreien Zeit waren wir immer 3 Studenten, die anwesend sein mussten. Einer war auf den "Urgences", das heißt auf dem gynäkoloischem Notfall, einer war im "Bloc général", das heißt im OP und einer im "Blocobstétrical", was im Deutschen dem Kreissaal und dem OP für die Kaiserschnitte entspricht. Morgens ging es um 8.15h mit einer Frühbesprechung los, bei der alle OPs für den aktuellen Tag, die Aufnahmen des letzten Tages und der Nacht und alle gerade laufenden Entbindungen besprochen wurden. Danach ist man dann auf seine Abteilung gegangen. Insgesamt war man ca bis 18h da, aber man durfte auch mal früher gehen, vor allem im OP, wenn das Programm beendet war. Im Kreissaal konnte man bei den Kaiserschnitten assistieren, normale Geburten und Extraktionen sehen und teilweise auch mal eine Sonographie machen. Außerdem wurden dort auch die späten Abtreibungen bei fetalen Fehlbildungen vorgenommen. Allgemein lässt sich zum "Bloc obstétrical" sagen, dass man schon einiges sehen kann, aber leider nicht viel selbst machen kann. Bei den Geburten ist es teilweise auch etwas schwierig etwas zu machen, da immer relativ viele Hebammenschüler da sind. Auf den "Urgences" war dies im Gegensatz ganz anders. Dort konnte man selbstständig die Frauen befragen und auch untersuchen, wenn man sich das zugetraut hat. In der Notaufnahme waren immer die Assistenzärzte der Allgemeinmedizin, die insgesamt 2 Monate auf der Gyn verbringen müssen. Mit ihnen hat man dann seine Fälle besprochen und sie haben einem geholfen und sind bei der Untersuchung dazugekommen. Auf der Notaufnahme sieht man ein bunt gemischtes Klientel, was das ganze auch sehr spannend macht. Die Ambiance mit den Schwestern ist dort auch immer sehr nett und ich habe mich da immer sehr wohl gefühlt. Im OP muss man als Student morgens als erstes zu den FIV (In-Vitro-Fertilisation), wenn welche auf dem Programm stehen. Diese Arbeit ist ziemlich stupide, da man die ganze Zeit nur die Röhrchen hält, in die die Oozyten kommen, die der Arzt entnimmt. Das ist nicht ziemlich spannend, aber es wird von dem Studenten erwartet, dass man das macht. Danach ist man ziemlich frei in der Entscheidung was man sehen will. Manchmal wird man anderen OPs gebraucht, ansonsten darf man sich aber auch immer steril anziehen, wenn einen eine OP interssiert. Das Programm umfasset die ganze Gynäkologie und man kann einige verschiedene OPs sehen. Leider ist es auch im OP so, dass man leider auch nur assistiert und nie wenigstens mal die Hautnaht machen darf. Wenn man irgendwo mal nicht zu tun hat, kann man auch immer in die "Consultation" gehen, was der Sprechstunde der Oberärzte entspricht. Diese waren auch immer sehr nett und man hat einiges gesehen. Insgesamt ist die Ärzteschaft inklusive der Chefs sehr nett und man wird auch einigermaßen integriert. Andererseits hatte ich erwartet, dass man im Kreissaal und im OP schon etwas mehr machen darf. Da ich aber nur manchmal für Aufnahmen auf Station war, kommt man als Student zum Glück nicht so viel mit den administrativen Aufgaben in Berührung. Das ist während dem Semester anders, denn dann sind mehr Studenten da und wenn man auf Station ist, muss man fast nur die Austrittsberichte schreiben. Alltag und Freizeit: Insgesamt muss man sagen, dass Nimes in einer super schönen Gegend liegt und das Freizeitprogramm fast unerschöpflich ist. Nimes ist die Hauptstadt des Departements Gard, was wiederum zur Region Languedoc-Roussillon gehört. Nimes selbst ist eine nette Stadt und es lohnt sich sehr die Arena zu besuchen und zum Jardin de la Fontaine zu gehen. Zum Meer dauert es ca 45 Minuten, nach Montpellier ca 35 Minuten. Außerdem ist es nicht weit in die Provence (Avignon, Orange, Arles), in die Cevennes, zu einigen schönen Schluchten. An sportlichen Aktivitäten gibt es ein weit gefächertes Angebot von Klettern,Kanufahren, Reiten über Wassersport bis hin zum Wandern. Da man fast immer aufs gute Wetter zählen kann, muss man seine Freizeitgestaltung schon eher an die manchmal unerträgliche Hitze anpassen, aber sobald man am Wasser ist, ist diese auch schon so gut wie vergessen. ;-) In den Sommermonaten Juli und August haben viele Franzosen Urlaub. Und wo macht der typische Franzose Urlaub? Ja, natürlich: in Frankreich. So ist es in diesen Monaten manchmal an den Stränden ziemlich voll, aber man findet doch meistens noch einen etwas leereren Strand wie zum Beispiel in Palavas, was etwas hinter La Grande Motte liegt. Sehr typisch für die Region sind übrigens die Stierkämpfe. Da ich persönlich nicht auf die blutigen Stierkämpfe stehe, war ich total von den "Course camarguaise" begeistert. Denn da bleibt der Stier unverletzt und das ganze ist eine ziemlich sportliche Angelegenheit. Außerdem ist das immer ein ziemliches Spektakel, bei dem fast nur Einheimische sind, die die ganze Zeit mitfiebern. Nach dem Stierkampf werden die Stiere mit Hilfe von Pferden noch durch die Straßen getrieben. Unbedingt einen Besuch wert!! Sehr nette Orte in der Umgebung sind Collias, was direkt an dem Fluss Gardon liegt. Dort kann man baden oder auch nett klettern gehen. Außerdem gibt es Sommiers, ein nettes mittelalterliches kleines Städtchen und Uzes, wo es Samstags einen unglaublich leckeren Markt gibt. Nun zum Kulturellem: Im Sommer gibt es in der Gegend sehr viele Konzerte, teilweise in alten Arenen, das heißt mit sehr viel Charme. Zu dem gibt es im Juli und August in Montpellier jeden Freitagabend ?Les Estivals?. Dort ist immer sehr viel los, es gibt kleine kostenlose Konzerte und man kann günstig Wein degustieren. Das gleiche gibt es auch donnerstags in Nimes nur in etwas kleiner, aber auch mit einem netten Ambiente. Fazit: Im Ganzen hat sich mein Aufenthalt in Südfrankreich sehr gelohnt. Im Krankenhaus war nicht alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte, vor allem dachte ich, dass ich selbst mehr machen kann (OP und Kreissaal). Andererseits habe ich auch keinen Vergleich zur Gynäkologie in einem deutschen Lehrkrankenhaus. Außerdem sollte man schon etwas Französisch beherrschen, da es ansonsten mit den Patienten etwas schwierig ist und man auch nicht so einfach integriert wird. Dafür lohnt sich die Gegend hier umso mehr, man weiß schon gar nicht mehr wie man die ganzen Ausflüge in den wenigen Wochenenden unterbringen soll.

Bewerbung

Vorbereitung: Ca ein ¾ Jahr bevor mein Praktikum losgehen sollte, habe ich mit einer Freundin zusammen angefangen zu planen. Ich habe ein Anschreiben und einen Lebenslauf auf französisch verfasst und nachdem ich die Emailadressen der zuständigen Personen in den Unis ausfindig gemacht hatte, habe ich meine Bewerbung an viele Unis in Frankreich per Email abgeschickt. Natürlich muss man vorher noch schauen ob das Krankenhaus beim Landesprüfungsamt akzeptiert wird. Dafür gibt es dort eine Liste. Der Emailkontakt war teilweise nicht immer einfach, da man oft nicht sofort Antwort bekommt, aber im Endeffekt klappt es dann mit etwas Hartnäckigkeit doch meistens. Wir waren uns auch nicht sicher, ob es besser ist die Chefärzte direkt anzuschreiben oder die Unis, aber da wir für die Anerkennung auch eine Unterschrift des Dekans brauchen, haben wir uns dafür entschieden alles direkt über die Uni laufen zu lassen. Manchmal war es auch einfacher, es über die Chefärzte laufen zu lassen, aber man muss auf jeden Fall auch den Kontakt zur Uni herstellen lassen, da man deren Unterschrift zum Schluss braucht. Die meisten Unis haben dann noch eine private Berufshaftplichtversicherung ( relativ günstig bei zB der deutschen Ärzteversicherung abzuschließen), einen Krankenversicherungsnachweis, eine Impfbestätigung und ein Empfehlungsschreiben des Dekans verlangt. Zum Schluss hatten wir mehrere Zusagen und haben und für Nimes entschieden. Der normale Semesterbeitrag liegt bei ca 300€, doch wenn man unter Erasmus läuft muss man nur ca 5Euro bezahlen. Deshalb guckt, dass ihr von eurer Uni aus ein Erasmus(praktikums)stipendium bekommt und achtet darauf, dass ihr in Nimes unter Erasmus lauft! Bei einer Freundin hat das nicht geklappt, da sie ihre Bewerbung über den Chefarzt abgewickelt hat und nicht über das Erasmusbüro! Unterkunft : Da wir insgesamt zu dritt zusammen eine Wohnung nehmen wollten, haben wir schon ca 6 Wochen im Vorhinein angefangen eine Wohnung zu suchen. Für die Wohnungssuche in Frankreich ist es am einfachsten auf einer der folgenden Internetseiten zu gucken: www.vivastreet.fr , www.leboncoin.fr , www.march.fr . Wenn man eine WG sucht gibt es auch die Seite www.apartager.fr . Wir haben dann für die ersten 3 Monate ein Haus mit Garten für 830€ gefunden, welches aber eher ausserhalb des Zentrums lag. Der Weg zum Krankenhaus hat im Berufsverkehr schon etwas länger gedauert, aber dafür hatten wir ein relativ grosses Haus in einer sehr netten Wohngegend. Nach den 3 Monaten haben wir eine Ferienwohnung für die letzten 4 Wochen gefunden, die der Besitzer uns für 900? vermietet hat, da es schon Nebensaison war. Ansonsten sind die Ferienwohnungen alle ziemlich teuer, wenn man in der Hauptsaison kommt. Diese war auch viel näher am Krankhaus und Zentrum und hat sich schon allein deshalb ausgezahlt. In der ersten Wohnung hatten wir Internet und Telefon inklusive, in der zweiten leider nicht. Aber in Frankreich gibt es sogenannte Hotspots von SFR oder Free, wo man per WLAN reingehen kann. Wenn man jemanden findet, der Kunde bei SFR oder Free ist, kann man mit seinen Zugangsdaten dort kostenlos ins Internet gehen. Also am besten einfach mal rumfragen.
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