Ich war 4 Monate an der Universidad de Antioquia in Medellin, Kolumbien.
Ich hatte eine super Zeit und hab viel gelernt. Moderne Uniklinik, gute Betreuung und viele Seminare/Fortbildungen.
Allgemein ist man immer von Assistenzärzten und Fachärzten betreut. Da die kolumbianischen Studenten kein Staatsexamen schreiben sondern nach dem PJ direkt für ein Jahr auf´s Land geschickt werden und dort selbstständig als Allgemeinärzte arbeiten müssen, ist das PJ viel strenger und akademischer als bei uns. Das heisst Wochenenddienste sind keine Seltenheit (v.a. in der Allgemeinchirurgie), die Tage sind lang, es gibt fast tägliche Fortbildungen und viele Lehrvisiten und Seminare. Man wird relativ viel gefragt und muss teilweise auch Prüfungen am Ende des Monats schreiben (mit Ausländerbonus is das aber alles halb so schlimm).
Zu den Aufgaben gehört, täglich Patienten zu untersuchen, den Status ins Computersystem zu schreiben und den Patienten bei der Visite vorzustellen. Ausserdem Aufnahmen aus der Notaufnahme. Sonst verbringt man viel Zeit bei der Visite, ist bei den ´Consultas´ dabei oder halt im OP.
Im OP durfte ich viel nähen (v.a. in der Plastischen Chirurgie) und auch die ein oder andere Bülaudrainage legen. Blutabnehmen, Verbandswechsel usw. machen die Schwestern.
Das Niveau ist allgemein sehr hoch - die Universidad de Antioquia ist eine der besten Unis im ganzen Land. Die Studis lernen viel mit aktuellen Artikeln und europäischen oder amerikanischen Leitlinien – und sie wissen viel!!
Medellin als Stadt ist super. Natürlich eine typische südamerikanische Großstadt mit vielen Menschen, viel Verkehr, Smog und natürlich auch viel Kriminalität. Man sollte also über etwas gesunden Menschenverstand verfügen und abends halt doch lieber ein Taxi nehmen... Ich hatte nie Probleme und hab mich eigentlich relativ sicher gefühlt. Die täglichen Zahlen an Schuss-und Stichverletzten, die so in der Notaufnahme aufschlagen geben einem aber nen ganz guten Eindruck was jenseits der gut beleuchteten Straßen so passiert..
Zusammengefasst hatte ich eine großartige Zeit in Kolumbien!! Ich habe unglaublich viel gelernt – sowohl sprachlich als auch medizinisch – und habe ganz tolle Menschen und Freunde kennengelernt. Man muss sich schon darauf einstellen, viel zu arbeiten, aber wenn man doch mal ein freies Wochenende ergattert, gibt es super Ausflugsziele in der Umgebung und viel zu entdecken. Wer noch Reisezeit hat um so besser. Spanischtechnisch solltet ihr schon ein halbwegs vernünftiges Niveau haben (was auch von der Uni verlangt wird, da ihr ja auch als Arbeitskraft eingesetzt seid) und wenn man nix versteht dann sind die ewigen Fortbildungen usw auch richtig anstrengend.
Wer noch Fragen hat oder Infos/Hife bei der Bewerbung braucht kann sich gerne an mich wenden (lasanja@gmx.de).